Tägliche Kommentare vom 16. bis zum 20. September 2011
Written by Petra Sigrun Krubeck   
Wednesday, 21 September 2011 21:23
Sept. 16, 2011 – Opening Gala Dinner

Die Eröffnungsrede der Schirmherrin Prinzessin Basma bint Ali von Jordanien hat mich positiv überrascht. Keinerlei politisch-dipomatische Floskeln, sondern Klartext von offizieller Seite. Sie sprach davon, daß Jordanien an zweiter Stelle auf der Liste der Länder mit Wassernot steht. Und führte weiter aus, daß es vor 100 Jahren diese Probleme noch nicht gab, sondern sie entstanden aus der Arroganz der Menschen gegenüber dem Wissen unserer Vorfahren, die noch genau wußten, wie nachhaltiges Wassermanagement auszusehen hatte. Sie ist überzeugt von dem Konzept der Permakultur und daß dies Lösungen für die Probleme im Land liefern wird.

Sept 17, 2011 Conference Day in Amman zum Thema: Wassermanagement

Da die Reden von diesem Tag auch online zu sehen sind auf der Seite www.ipcon.org demnächst. Daher werde ich auch nicht auf die einzelnen Vorträge eingehen, sondern nur zwei herausheben, die mir persönlich besonders gut gefallen haben.


Brad LANCASTER : Water harvesting / Wasser ernten

Sein Vortrag war herausragend durch die Mischung aus Fakten und Theorie, praktischen Beispielen, kleinen Anekdoten kombiniert mit einem klar strukturierten Vortragsstil. Er sprach über seine Heimat Tucson, Arizona, USA, die mit 304 mm Regen pro Jahr zu einer wasserarmen Gegend gehört. Um das Wasserproblem zu erkennen oder zu lösen, muss man die folgenden drei Fragen beantworten: What is the story of the place? What is the story of the water? What is my role in that?
Wie ist die Geschichte des Ortes? Wie ist die Geschichte des Wassers? Welches ist meine Rolle darin?

In der Gegend aus der er kommt, hat ein Graben früher als Schwamm gedient, der das wenige Wasser aufgesaugt und langsam wieder abgegeben hat. Heute ist er durch bauliche Maßnahmen wie Begradigung, Versiegelung und Kanalisierung nur noch dazu da, es möglichst schnell wegzubringen. In Folge gibt es jetzt nicht alle 100 Jahre eine große Überschwemmung, sondern alle 10 Jahre. Außerdem muss von immer weiter her Wasser gepumpt werden, so daß die Wasserbeförderung der größte Stromverbraucher ist. Er zeigte anhand seines eigenen Gartens, wie er ihn wieder in einen Wasserschwamm verwandelt hat. Er sammelt Regenwasser und nutzt Grauwasser aktiv, so daß in diesem trockenen Land ein fast tropisch anmutender Garten wächst.

Brad Lancaster ist ein ausgewiesener Experte für die Wassergewinnung in trockenen Gebieten. Sein Buch: Waster Harvesting wurde mit staatlicher Unterstützung ins Arabische übersetzt.

Toni RINAUDO: Against the Odds - Reversing desertification in arid and semi-arid lands / Umkehrung der Verwüstung von trockenen und halb-trockenen Gebieten

Er sprach über seine Erfahrungen in Afrika zur Wiederaufforstung. Lange Zeit hat er immer wieder versucht mit Baumpflanzaktionen die Ausbreitung der Wüste aufzuhalten, aber es hat überhaupt nicht funktioniert, diese Bäume sind immer wieder eingegangen. Also ging er nochmal zurück in die Beobachtung, wo der Fehler in diesem Plan war und er stellte fest, daß es in Wahrheit sehr viele Bäume gab, die aus Baumstümpfen, Baumwurzeln und Samen wuchsen. Jedoch hat er sie nicht bemerkt, weil sie immer nur knapp über die Bodenhöhe wachsen konnten, da sie immer wieder durch Brandrodung kleingehalten wurden.

Also konzentriert er seither seine Arbeit darauf, den richtigen Baumarten eine Chance zum Wachsen zu geben und sie richtig zu beschneiden und in Form zu halten. Das hat folgende Vorteile für die Bevölkerung: durch den Baumschnitt, haben die Menschen Brennholz und müssen nicht mehr täglich viele Stunden auf Holzsammeln verwenden, das betrifft vor allem Frauen und Kinder, die jetzt Zeit haben für die Schule. Die Bäume schützen außerdem die Ernte z.B. Hirse, als auch die Tiere, sie liefern Früchte, sie halten den Boden fest, sie liefern Mulchmaterial und auch Schatten.

Zudem kehrt langsam die Biodiversität wieder zurück, die Vögel, die Dünger liefern, das richtige Gleichgewicht an Insekten und Spinnen, die früheren Insektenplagen wie Raupen und Heuschrecken Einhalt gebieten.

Sept. 19, 2011 International Permaculture Convergence in Jordanien

Das Drumherum: Unterbringung und Essen :

Wir sind im Wadi Rum angekommen und hier in einem „Bedouinencamp“ für Touristen untergebracht vor der spektakulären Kulisse der Felsen, die aus dem Sandwüste ragen. Es ist sehr heiß, was es mir schwer macht in der Mittagszeit den Vorträgen mit voller Konzentration zu folgen.  Die Zelte aus Ziegenhaardecken sind mit einfachen Betten und einer Bank für das Gepäck sowie einer Lampe einfach aber ausreichend ausgestattet. Die sanitären Anlagen perfekt und ausreichend für unsere große Gruppe von rund 130 Permies.

Das Essen ist sehr gut, wenn auch nicht wie wünschenswert aus regionalen Produkten zusammengestellt. Hier als Beispiel das Frühstück: es gibt neben Fladenbrot weitere regionale Brotsorten zum Teil mit Dattelcreme gefüllt oder Sesam bestreut.  Dazu Fruchtaufstrich portionsweise abgepackt aus Österreich, Aprikosenmarmelade aus Ägypten, Quark, Honig aus Australien, Ziegenfrischkäse teils aus Jordanien und frisch über dem Feuer zubereitetes Rührei aus ägyptischen Eiern in Sojaöl. So widersinnig das auch ist, so spiegelt es auch die jordanische Realität wieder: die heimische Lebensmittelproduktion kann das Land nicht ernähren.

Mittags und abends gibt es sehr viel Rohkost in den unterschiedlichsten Kombinationen dazu Humus, Tahin, Joghurt und als heißes Gericht meist eine Reispfanne mit Huhn oder Lamm und gekochtes Gemüse. Alles ist sehr lecker und für das Auge schön angerichtet.

Den ganzen Tag steht Wasser, Tee oder türkischer Kaffee zur freien Verfügung. Lediglich gekühltes Wasser kostet Geld, hier muss die Kühlung bezahlt werden.
Die Jordanier, die hier im Camp arbeiten, sind sehr nett, haben stets ein Lächeln und einen Scherz auf den Lippen und man bekommt das Gefühl, da die sprichwörtliche arabische Gastfreundlichkeit wirklich von Herzen gelebt wird.

Sept. 19, 2011 – Die Convergence beginnt

Es gibt jeweils drei parallele Veranstaltungen/Sessions, so daß ich nicht von allen berichten kann, was hier passiert. Ich werde nur kurz auf die von mir besuchten Sessions eingehen, zum Teil sind die Vorträge so umfangreich und komplex, daß ich das nicht in wenigen Worten hier wiedergeben kann, sonst würde ich die nächste Session verpassen. Also hier immer nur ganz kurz, um was es ging.

Sept. 19, 2011: Walter Nyika aus Zimbabwe und Eston aus Malawi: IPC 9 in Malawi, Afrika

Ich fasse die Vorträge der beiden zusammen, da sie sich logisch anschließen. Die IPC 9, die 2009 in Malawi stattfand hatte einen sehr großen Effekt auf die Entwicklung und Anerkennung der Permakultur in Malawi und Afrika:

- Schulprojekte, bei denen das Land um die Schulen in essbare Gärten verwandelt wurde, um den Schülern eine tägliche Mahlzeit zu sichern. Das erste Projekt war so erfolgreich, daß es die örtlichen Behörden überzeugte und es weiterempfehlen, unterstützen und fördern. Mittlerweile unterhalten viele Schulen große Schulgärten, wo die Schüler auch direkt nachhaltige Landwirtschaft nach Permakulturprinzipien lernen.

- Daraus entstanden ist auch ein Lehrbuch um verschiedene Religionsgruppen einzubeziehen, die einen Großteil der Schulen betreiben.
- Staatliche Hilfe
- die Permakulturbewegung fühlt sich integriert in die weltweite PK-Bewegung
- es hat sich ein Netzwerk aufgebaut
- Sponsoren für die Schulgärten
- website: www.stratshope.org

Es wurde der „Plan Africa“ ausgearbeitet, der lautet: Food and Empowerment.

Sept. 19, 2011 Andy Goldring: Der Britische Permakultur Verein

Ich führe nur ein paar Zahlen auf, um die deutsche Bewegung zu ermutigen.

Die „British Permaculture Association“ hat 1200 Mitglieder, 80 Lehrer und 112 akkreditierte PK-Designer, 200 PK-Studenten, 9 Teilzeitbeschäftigte, 1 Büroangestellte, 8 Aufsichtsräte, 100 Freiwillige und dazu 70 Land Projekte

Sept. 19, 2011 Miles Durand: Kompost System

Es machte mich neidisch zu hören, wie schnell in warmen feuchten Gegenden der Kompostprozess vonstatten geht. Er hat seine drei Komposthäufen auf eine leicht schräg stehende Platte gestellt, so daß der Komposttee abläuft und aufgefangen werden kann. Die Tatsache, daß der Kompost keinen direkten Bodenkontakt hat ist kein Problem, die Würmer kommen trotzdem angekrochen und arbeiten. Er sammelt die ganze Woche über das Material von den Bäumen aus dem Garten und der Küche, um es dann in den ersten Kompost zu tun, er wird jeweils nach ca. 3-4 Wochen auf den nächsten Kompost umgeschichtet, so daß der ganze Prozess bis zur leichten krümeligen Komposterde nur 12 Wochen dauert. Wichtig ist die Beschattung durch ein dichtes Blätterdach der nahen Bäume, so daß er nicht austrocknet und die umgebende Luftfeuchtigkeit hoch bleibt.

Sept. 19, 2011 Starhawk : Frauen in der Permakultur

Starhawk wollte in dieser Runde herausheben, was Frauen aktiv zur Permakultur beitragen. Am ersten Tag gab es außer ihr keine andere Frau, die eine Session angeboten hat. Auch in der Öffentlichkeit werden vor allem Männer als Repräsentanten und Gesichter der Permakultur wahrgenommen. Aber auch Frauen haben faszinierende Projekte. Wie können Frauen aus dem Schatten treten und sich ins Licht setzen? Der Reihe nach haben jetzt die Frauen in der Runde Ihre Projekte vorgestellt. Die weiblichen Qualitäten sind ihrer Meinung nach an der Reihe in den Vordergrund gerückt zu werden. Das ist vor allem das Wohl um die Menschen (People Care). Das Wohl der Menschen besteht aus weiblichen Qualitäten wie das Nähren egal ob es konkret um das Essen oder im übertragenen Sinn um die Zukunft geht. Diese Qualitäten werden in unserer Welt nicht geschätzt, sondern attakiert. Wenn wir nicht wollen, daß Menschen ohne eine holistische Sicht das Sagen haben, dann müssen die Frauen aus dem Schatten ins Licht treten.