Der tägliche Kommentar zum 20. September 2011 und ein Wüstenspaziergang
Written by Petra Sigrun Krubeck   
Tuesday, 27 September 2011 17:00

Sept 21, 2011: Spaziergang durch die Wüste von 5h50 bis 7h15


Ich wollte unbedingt den Sonnenaufgang erleben und die morgendlich Kühle genießen, also bin ich heute morgen kurz vor Sonnenaufgang losgegangen. Das Laufen durch den Sand ist stellenweise recht mühsam, da er manchmal sehr weich ist und man bei jedem Schritt einsinkt, dann fällt es wieder leicht, weil der Untergrund fester und steiniger wird. In der kühlen frischen Morgenluft ist auch die Sicht viel besser, aus nachmittags, wenn der heiße Staub flimmert.


Mir begegnen erstaunlich viele Tiere oder zumindest deren Spuren, die man später am Tag nicht mehr wahrnimmt. Ich höre Grillen, sehe Vögel und einen Falken, der immer wieder laut kreischend durch das Tal fliegt. Ameisen, die erstaunlich groß sind und sehr lange Beine haben, vielleicht damit sie weiter entfernt sind vom heißen Sand. Kleine Erdlöcher mit Tierspuren, die nach Vögeln und an anderen Löchern nach mäuseartigen Tieren aussahen. Dazu sind mir immer wieder streunende Hunde entgegengekommen, was mich etwas beunruhigt hat. Vielleicht hätte ich doch nicht alleine gehen sollen? Aber ich lebe noch, sie sind an mir vorbeigelaufen.
Der Sonnenaufgang selber war garnicht so spektakulär.  Es war schon vorher sehr hell und so war der Kontrast als die Sonne auf die Felsen fiel nicht so groß, wie ich erwartet hätte, aber dennoch: die Fotos sind super geworden, wegen der klaren Morgenluft, die allein schon stärkere Farben und Kontrast gebracht hat!

 

 

Sept. 20, 2011 Marteen Stapper - Agricultural Science and Technology is Stuck in a Rut / Die Agrar-Wissenschaft steckt in Dreck fest.


Der Vortrag war sehr spannend, aber so komplex und mit so vielen Details gespickt, daß ich ihn hier im Blog nicht in Kürze wiedergeben kann. Marteen ist Ingenieur und hat lange für die Agrarindustrie in Australien gearbeitet. Irgendwann hat man ihn dann vor die Wahl gestellt, entweder könne er der Linie des Konzerns folgen oder gehen. Er ist gegangen und arbeitet jetzt als Berater für Landwirte. Aufgrund seines umfangreichen Hintergrundwissens aus der Branche hat er den Zusammenhang zwischen industrieller Landwirtschaft und dem Verlust an Bodenqualität, Bodenleben, Nährwert, Krankheiten bei Tierhaltung, Zerstörung der Landschaft aufgezeigt. Die gegenwärtigen Probleme sind auch darauf zurückzuführen, daß die Wissenschaft die Fachbereiche Produktion + Umwelt als auch Produktion + Gesundheit voneinander getrennt hat, obwohl diese Wissenschaften ein und dasselbe Ökosystem betreffen. Man muss zu einem holistischen Ansatz kommen und zu einer Bottom-Up Wissenschaft, in der die Problemstellungen aus der Praxis kommen und die Wissenschaft dann nach Lösungen sucht.

Sept. 20, 2011 Mohammed Ayesh: Greywater in Jordan / Grauwasser in Jordanien


Er hat gemeinsam mit staatlichen Stellen ein System zu Grauwassernutzung entwickelt, daß die extreme Wassernot Jordaniens entscheidend verbessern könnte. Rund 50-80% der Abwässer in Jordanien sind Grauwasser, dies bedeutet für einen durchschnittlichen Haushalt rund 150-250 l/Tag. Mit dieser täglichen Menge Wasser könnte eine Familie 20-40 Fruchtbäume halten. Für die Studien hat man Familien mit min. 5 Personen, einem gewissen ökologischen Bewußtsein und Einkommens¬stufe ausgewählt. In einer Gegend mit 250-300mm Regen/Jahr, hier bauen die Familien überwiegend Weizen, Roggen und Oliven an und halten Hühner und Ziegen. Die Grauwasseraufbereitung ist einfach mit mehreren Behältern, in denen erst grobe Partikel und Öl/Fett abgeschieden wird, dann geht es weiter in ein Filterbecken und kann von dort aus auf das Feld  zu den Bäumen oder Beeten gelangen. Anfänglich gab es noch Probleme mit der richtigen Handhabung und es kam zu Geruchs- oder gar Bakterienbildung. Doch Mohammed hat die Familien umfänglich betreut, um solche Probleme sofort zu beheben und das System entsprechend anzupassen. Die Üppigkeit der Bäume im Vergleich zu denen der Nachbarn spricht für sich und so findet das System schnell Anerkennung.


Ich kam aus dem Vortrag raus und habe erst mal nachgerechnet, wieviel Frischwasser ich persönlich verbrauche und kam auf 90 l/Tag. Auch wenn der Durchschnittsdeutsche 122 l/Tag verbraucht, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Ich nutze keinerlei Grauwasser, sondern alles geht zwangsweise ab in den Kanal. Da besteht Handlungsbedarf bei mir!

Sept. 20, 2011 Cathe‘ Fish : Functional sustainable Kitchen / Die funktionierende nachhaltige Küche


Kathy steht zu 100% hinter dem Prinzip des Solarkochens oder der Heubox. Ihre Begeisterung wirkte ansteckend auf die Teilnehmer und anschließend haben wir erst mal Solarkocher gebastelt. Das kann man alles nachlesen auf der Webseite: www.solarcooking.org und die Pläne zum selberbauen sind dort auch zu erhalten. www.solarcooking.org/plans der Cookit ist ihrer Meinung nach der Beste, wenn man outdoor ein ganz einfaches System haben möchte für fast Null Kosten. Mit Parabolspiegel-Kochern und andere Systeme mit zu vielen Reflektoren an den Seiten hat sie schlechte Erfahrungen gemacht, das Essen wird zu heiß und brennt an, allerdings sind sie gut um kochendes Wasser zuzubereiten. In der Praxis sieht es so aus: man bereitet morgens das Essen vor und legt z.B. Reis mit Gemüse roh in den Topf mit Wasser und dann stellt man alles in den Cookit. Wenn man dann nachmittags nach Hause kommt, ist alles fertig gekocht und heiß. Es besteht keine Gefahr des Überkochens. Auch Brot und Kekse kann man backen, allerdings ist da die Verbleibzeit im Cookit genauer im Auge zu behalten. Kathy benötigt in der 3. Welt keine Überzeugungskünste, sie zeigt einmal, daß es geht und dann sind die Frauen begeistert und dankbar, daß die Holzsammelei oder der Kostenfaktor Gas/Strom wegfällt. Aber in der Westlichen Welt, wo Energiesparen genauso wichtig ist, ist man dieser Technologie gegenüber sehr zurückhaltend.


Auch für unser deutsches Klima gibt es eine Alternative, da bei uns die Sonnentage wirklich sehr beschränkt sind. Man bereitet alles genauso vor wie für den Cookit, dann bringt man es auf dem Herd zum Kochen und stellt es in eine mit Heu oder einem alten Schlafsack gut isolierte Kiste, Abdeckung drauf und dann köchelt es stundenlang vor sich hin.
Das werde ich ausprobieren, morgens das Essen vorbereiten, dann in die Heukiste ins Auto stellen und mittags auf der Arbeit auspacken. Die Kollegen werden staunen! P.S.: Spaghetti gehen so allerdings nicht, die lösen sich nur auf und man hat Getreide-Wasser-Pampe, Lasagne dagegen schon.

Sept. 20, 2011 : Niva & Yotam Kay : Permaculture Baby – Wie zieht man Säuglinge nach PK-Ethik und Prinzipien auf?


Das junge Elternpaar Niva und Yotam waren mit Ihrem 9 Monate alten Baby da, das seit der zweiten Lebenswoche sozusagen „stubenrein“ ist. Das funktioniert allerdings nur wenn man einen sehr engen körperlichen Kontakt zu seinem Baby hat, denn sonst bemerkt man die Zeichen, die das Baby gibt nicht. Voraussetzung ist 1. Der Säugling wird gestillt 2. man trägt das Baby am Körper in einem Tuch etc.; 3. es schläft im Bett zusammen mit den Eltern. 4. Jetzt erst ist es möglich, daß man die Zeichen bemerkt, die das Baby macht, wenn es Pipi machen will. Dies kann bei jedem Kind anders sein, manche werden unruhig, manche still, manche verziehen das Gesicht etc. Die Eltern machen dann ein bestimmtes Geräusch (Niva und Yotam machen Psch Psch Psch), wenn das Baby Pipi macht, so daß das Kind mit diesem Geräusch die Entspannung des Blasenmuskels verbindet. Nach wenigen Tagen klappt das. In großen Teilen der 3. Welt wird das nach wie vor so gehandhabt, auch wenn dort die Windelindustrie langsam Einzug hält. Wer mehr wissen will, hier der Buchtipp:   


Literatur: Ingrid Bauer: Es geht auch ohne Windeln (Diaper-Free)

Sept. 20, 2011 Kay Baxter + Rob Corker: Koanga Institute New Zealand


Kay sprach über die Entdeckungsreise zur Verbindung zu zwischen dem Boden der Pflanze oder Tier und der menschlichen Gesundheit. Ein interessantes Thema, hier einige Literaturtipps:


Growing Nutrient dense food von Kay Baxte
Seeds of Change von Ken Ausubel
Nourishmen home grown: A.F. Beddoe


www.Westenaprice.org hier sind auch Bücher von ihm erhältlich
Weitere Titel: Nurige and Tradition; Nutrition and Human Degeneration
Weitere Autoren: Cary Reams; Natasha Campbell McBride; Catherine Shanahan; Nora Gedgaudas

Last Updated on Thursday, 29 September 2011 09:37